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Nautilus Interview

Daniel Bauerfeld hat mich für das Magazin Nautilus interviewt und eine Rezension zu meinem Roman »Sieben Städte aus Gold« verfasst:

Buchtipp
Andreas Zwengel: Sieben Städte aus Gold

Bereits mit seinem Romandebüt Die Welt am Abgrund konnte Andreas Zwengel (Buchtipp siehe NAUTILUS 79) durchweg überzeugen. Der Autor lieferte eine Steampunk-Geschichte, die nicht im viktorianischen England sondern im Deutschen Reich angesiedelt ist. Zudem konnte er mit einer temporeichen Handlung, überraschenden Wendungen und einem schier unglaublichen Genremix punkten. Sieben Städte aus Gold ist sein zweiter Roman. Auch dieses erscheint als schickes Hardcover. Das von Karsten Weyershausen gestaltete Cover wird dem Inhalt vollkommen gerecht. Wirklich gelungen! Nach Steampunk sucht der Leser aber nun vergebens: Zwengel hat das Genre gewechselt.

Sieben Städte aus Gold ist zweifelsfrei eine astreine Abenteuergeschichte, die in Amerika kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs spielt. Ausgerechnet in Alaska treffen Bartholomew P. Mason, ein amerikanischer Glücksritter und Schürzenjäger, die gewitzte Hure Violet, Tochter eines englischen Kapitäns, und der russische Bordellbesitzer Wladimir Willow Oblomow aufeinander. Die drei haben von der Existenz eines Schatzes erfahren, nachdem bereits die spanischen Eroberer vor mehr als 300 Jahren ganz Nordamerika durchsuchten: der Reichtum der sieben goldenen Städte von Cibola. Doch die Konquistadoren des 16. Jahrhunderts hatten bei ihrer Suche weder Glück noch Erfolg. So wurden die Städte im Verlauf der Zeit zu einem Mythos.

Es dauert nicht lange bis sich die Schatzsuche herumgesprochen hat. Violet, Mason und Oblomow sind längst nicht mehr die einzigen, die sich in ein Abenteuer stürzen. Bei der Erschaffung ihrer Gegner und Konkurrenten lässt Zwengel seine ganze Fantasie schalten und walten. So hetzt er seinen Helden ungarische Adlige, die mexikanische Armee, einen uralten Indianerstamm, Räuberbanden, Söldner und sonstige Desperados auf den Hals. Alle auf der Suche nach dem einen: Gold! Eigentlich ist so ziemlich jeder hinter ihnen her, der einigermaßen geschickt mit einem Revolver oder einer anderen Waffe umgehen kann. Nun ist endlich geklärt, woher der Begriff »Wilder Westen« wirklich stammt – er scheint auf den Einfallsreichtum des 1969 geborenen Andreas Zwengel zurückzugehen.

Gekämpft wird eigentlich überall und in allen Lebenslagen. Ganz egal ob zu Wasser oder zu Lande. Es macht unheimlich Laune, diesem bunten und munteren Treiben beizuwohnen. Sehr viel Freude hatte dabei anscheinend auch der Autor: Der Wilde Westen ist wie geschaffen, um sich mal so richtig auszutoben. Leicht verrückt-skurrile Helden, die einem dennoch sofort sympathisch sind, eine mitreißende Hintergrundhandlung im 16. Jahrhundert, auf die immer wieder Bezug genommen wird, ein grandioses Setting und vor allem jede Menge Spannung, Action und Abenteuer. Ein Buch für echte Haudegen und Abenteurer und für alle, die es werden wollen.

(Daniel Bauerfeld)

Interview mit Andreas Zwengel

Bei Sieben Städte aus Gold sind die drei Hauptpersonen ein amerikanischer Glücksritter, eine englische Kapitänstochter (und Hure) sowie ein russischer Bordellbesitzer. Wie anders wäre Dein Roman geworden, wenn es ein amerikanischer Professor, eine englische Grundschullehrerin und ein russischer Ölbaron wären?

Interessante Frage. Durch den Ölbaron wäre die Finanzierung der Expedition von vorneherein gesichert gewesen, der Professor hätte wichtige Informationen bereits besessen und die Grundschullehrerin hätte für den nötigen Anstand gesorgt. Ich fürchte, der Roman wäre mit diesem Personal wesentlich langweiliger geworden.

Wie viel Abenteurer und Glücksritter steckt in Dir selbst?

Ich bin ein klassischer Schreibtischtäter. Obwohl ich gerne reise, hält sich meine Abenteuerlust in Grenzen. Ich bin Schriftsteller, das heißt, ich hocke gerne allein in einem Zimmer.

Wärst Du lieber mit den spanischen Eroberer im 16. Jahrhundert oder zur Zeit des Bürgerkriegs auf Schatzsuche gegangen?

Eindeutig nach dem Bürgerkrieg. Auch wenn der Wilde Westen rau und brutal war, gab es doch schon ein paar Erfindungen, die das Leben erleichterten und verlängerten.

An welche denkst Du da?

In erster Linie technische Errungenschaften wie die Eisenbahn und medizinische Fortschritte wie die Aussrottung von Seuchen, die Einführung hygienischer Standarts, wissenschaftlich fundierte Zahnheilkunde und der Segen einer Narkose.

Wie wichtig ist Dir die historischen Korrektheit in Deinen Romanen? Immerhin spielt die Geschichte, sowohl im aktuellen als auch im vorangegangenen Roman eine große Rolle.

Es ist mir sehr wichtig, dass die Dinge, die ich schreibe, auch korrekt sind. Ich schaffe stets eine fundierte Basis, auf die sich der Leser stützen kann. Auch in meinem Steampunk-Roman handelt es sich um eine historisch möglichst korrekte Welt, in der die genretypischen Elemente und Übertreibungen doch deutlich zu erkennen sind. Ich finde, dass die abgedrehten Elemente in meinen Büchern dadurch einen größeren Reiz haben, als wenn sie in einer reinen Fantasiewelt spielen. Aber natürlich bin ich vor Fehlern nicht gefeit, dafür ist jeder historische Hintergrund einfach zu komplex.

Wie gehst Du dementsprechend an die Recherchearbeit heran? Wie viel Zeit nahm sie für diesen Roman in Anspruch?

Die Recherche ist kein separater Teil der Arbeit, sondern findet in Wechselwirkung statt. Zu meinen Ideen recherchiere ich die Hintergründe und bei der Recherche entstehen wieder neue Ideen. Ich recherchiere so lange, bis ich eine Vorstellung der Zeit und des Ortes habe. Dazu nutze ich Internet, Sachbücher, Bildbände, aber auch Romane, Comics und Filme.

Eine Reise in die USA war nicht drin?

Ich war Mitte bis Ende der Neunziger dreimal an der amerikanischen Westküste und die Erinnerungen daran sind immer noch sehr intensiv. Einige Handlungsorte habe ich damals besucht. Glücklicherweise mit dem Auto.

Hattest du bestimmte Figuren, etwa aus Romanen oder Filmen, für deine Hauptfiguren vor Augen?

Ich nehme mir gerne Schauspieler als Vorlage, um mir meine Figuren besser vorstellen zu können. In diesem Fall sind sie auf den Cover leicht erkennbar: Josh Brolin, Liv Tyler und Danny DeVito. Ich führe beim Schreiben ein regelrechtes Casting durch, bis in die kleinste Nebenrolle.

Gibt es auch hier Stars in den Nebenrollen?

Eine Steilvorlage für Name-dropping. Spontan fallen mir ein: James Coburn, Viggo Mortensen, Black Francis (Pixies), Carlize Theron, Robert Carlyle und Lisa Bonet. Wer in meiner Vorstellung wen gespielt hat, darf der Leser erraten.

Wäre ohne bestimmte Vorbilder – klassische Abenteuerromane, Filme etc. – dein Buch nicht denkbar?

Es wäre auf jeden Fall ärmer. Ich schreibe ja eher Metafiktion, so wie es Thomas Pynchon in seinen Büchern und Quentin Tarantino in seinen Filmen betreiben. Das heißt, ich beziehe mich als Ausgangspunkt nicht nur auf die reale Geschichte, sondern auch auf Bücher und Filme, die diese Zeit behandeln. Das bereitet mir sehr viel Vergnügen, weil ich so gerne Anspielungen einbaue.

In welche Richtung führt dein nächstes Buchprojekt?

Gerade ist meine Krimikomödie Wespennest erschienen und Panoptikum, eine Sammlung meiner Kurzgeschichten aus dem Bereich Phantastik. Mein Lieblingsprojekt unter dem Arbeitstitel Böser Clown habe ich gerade abgeschlossen. Es handelt sich um eine Thriller-Near Future-Steampunk-Groteske über eine Gruppe B-Promis, die sich mit einem übermächtigen Spielzeugkonzern anlegt, um ein Filmprojekt zu verhindern. Zuletzt war ich erschöpfend damit beschäftigt, auch nur die Hälfte der Handlungsbälle wieder aufzufangen, die ich in die Luft geschleudert habe. Aber es war ein großer Spaß.

Hab vielen Dank!

Die Fragen stellte Daniel Bauerfeld

Daten

Nautilus
Abenteuer & Phantastik
Rezension & Interview:
Daniel Bauerfeld